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Ach wie gut, dass ich kein Denkmal bin

This song is by Joana Emetz and appears on the album Wie sieht es denn hier aus (1975).

Man bläst zum Jahr des Denkmalsschutz' im Einklang, wie noch nie vorher
Wenn das Füllhorn so laut erschallen kann, dann, denk' ich mir, ist es wohl leer!

Ach wie gut, dass ich kein Denkmal bin
Denn dann hätt' ich nichts zu lachen
Was zu meiner Erhaltung getan werden muss
Von dem müsst' ich manches selber machen!

Zwar wär' mein Rahmen geschützt durch des Gesetzes Macht
Doch: "Eigenschutz ist in", so hätt' ich mir gedacht
Und setzte, dass meine Vergangenheit eine Zukunft hat
Die 'Westend'-, 'City'-, 'Center'-Architektur gleich schachmatt!
Für die Erhaltung meiner historischen Substanz als Notwendigkeit
Sicherte ich mir das Verständnis der Öffentlichkeit
Auch würd' ich dem Ästhetischen Gleichberechtigung beimessen
Gegenüber den allmächtigen wirtschaftlichen Interessen!

Und zu Kostendeckung schaffte ich mir dann
Ein Stroh zu Gold spinnendes Rumpelstilzchen an!

Denkmäler schweigen, was ich, wär' ich eines, nicht tät
Denn, bis die Zeit für mich zu reden anfing', wär' es längst zu spät
Ich bäte darum, dass man mich gegen Wind und Wetter schützt
Und auch, dass niemand mehr Amors Pfeile in mich ritzt!
Drohte mein Kreuzgratgewölbe mit den aufgesetzten Rippen
Aus dem Knorpeslstil des siebzehnten Jahrhunderts zu kippen
Wurmte es mich auch drinnen, schlüg' mein Fachwerk draußen Falten
Ich würde mir mein spätbarockes Lächeln erhalten!

Und zu Kostendeckung schaffte ich mir dann
Ein Stroh zu Gold spinnendes Rumpelstilzchen an!

Ach wie gut, dass ich kein Denkmal bin
Denn dann hätt' ich nichts zu lachen
Was zu meiner Erhaltung getan werden muss
Von dem müsst' ich manches selber machen!

Vor allem mischte ich mich in Debatten ein
Ging' es um Häuser, Straßen, Plätze, Brücken, Burgen, Bilder allgemein
Oder Fassaden, Fenster, Farben, Schlösser, Gärten allenthalben
Und vor Engagement könnt' ich mein loses Mauerwerk nicht halten!
Mit Fug und Mörtel kämpfte ich für mein verbrieftes Recht
Und drückte gar ein Auge zu, würde man, historisch echt
Mir Sorgfalt und Liebe den Hexenturm wiederaufbau'n
Als Abschreckung für emanzipierte Frau'n!

Und zu Kostendeckung schaffte ich mir dann
Ein Stroh zu Gold spinnendes Rumpelstilzchen an!

Alsdann suchte ich nach Gleichgesinnten und die fänd' ich ohne Zahl
Ob beweglich, ob starr, ob profan, ob sakral
Holz und Glas, die historischen Reihen fest geschlossen
Stünden solidarisch neben stoff- und steinernen Genossen!
Und so trüg' ich dafür Sorge, dass man uns weit und breit
Saniert, restauriert, integriert und vom musealen Dasein befreit -
Humanisierung der Umwelt wird auch durch uns Realität
Wir, Zeugen der Vergangenheit, bringen Lebensqualität!

Und zu Kostendeckung schaffte ich mir dann
Ein Stroh zu Gold spinnendes Rumpelstilzchen an!

Ach wie gut, dass ich kein Denkmal bin
Denn dann hätt' ich nichts zu lachen
Was zu meiner Erhaltung getan werden muss
Von dem müsst' ich manches selber machen!

Drum: Arm in Arm mit den Denkmalpflegern fordere ich im Land
In die Schranken die öffentliche Hand!

Credits

Written by:

Joana Emetz

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