FANDOM

2,054,148 Pages

Middle High German and Latin

Ich was ein chint so wolgetan
virgo dum florebam;
do brist mich diu werlt al,
omnibus placebam.

la wolde ih an die wisen gan
flores adunare,
do wolde mich ein ungetan
ibi deflorare

Er nam mich bi der wizen hant
sed non indecenter,
er wist mich diu wise lanch
valde fraudulenter.

Er graif mir an daz wize gewant
valde indecenter,
er fuorte mich bi der hant
multum violenter.

Hoy et oe!
maledicantur thylie,
iuxta viam posite.

Er sprach: "vrowe ge wir baz!
nemus est remotum."
dirre wech der habe haz!
planxi et hoc totum.

"Iz stat ein linde wolgetan
non procul a via,
da hab ich mine herphe lan
timpanum cum lyra"

Do er zu der linden chom,
dixit "sedeamus!"
-diu minne twanch sere den man-
"ludum faciamus!"

Er graif mir an den wizen lip
non absque timore.
er sprah: "ich mache dich ein wip,
dulcis es cum ore"

Er warf mir uof daz hemdelin
corpore detecta,
er rante mir in daz purgelin
cuspide erecta.

Hoy et oe!
maledicantur thylie,
iuxta viam posite.

Er nam den chocher unde den bogen:
bene venebatur.
der selbe hete mich betrogen:
"ludus compleatur!"

Hoy et oe!
maledicantur thylie,
iuxta viam posite.

German

ich war einmal ein braves Mädchen,
als ich noch Jungfrau war;
des Lobes voll war alle Welt,
Wie wurde ich gepriesen,

Einst wollte ich in die Wiese gehn,
um Blumen dort zu pflücken,
da wollt ein roher Flegel frech
das Blümelein mir knicken.

Er nahm mich bei der weissen Hand,
jedoch nicht ohne Anstand;
er führte mich den Rain entlang
voll böser List und Tücke.

Er griff mir an mein weisses Kleid,
jetzt ohne jeden Anstand,
nahm meine Hand und zog mich fort
mit grossem Ungestüm.

Ojeoje!
Verdammte Linde
dort am Weg.

Er sagte: "Mädchen lass uns gehn,
der Wald ist ziemlich weit!"
Verflucht, verwünscht sei dieser Weg,
ich habe es sehr bereut!

"es steht ein schöner Lindenbaum
nicht weit vom Weg ab.
Dort liess ich meine Lyra stehn,
Psalterium und Harfe."

Als er zu der Linde kam,
sprach er: "Lass Dich nieder"
- Liebe hat ihn hart bedrängt -
"treiben wir ein Spielchen!"

Er griff mir an den keuschen Leib,
wenn auch ein wenig schüchtern;
er sprach: "Ich mache dich zum Weib,
wie süss ist doch dein Mündchen."

Er schob das Hemdlein mir hinauf,
entblösste meine Glieder,
erstürmte meine kleine Burg
mit aufgestelltem Spiess.

Ojeoje!
Verdammte Linde
dort am Weg.

Er nahm den Köcher und den Bogen,
da wurde gut gejagt!
Doch dann hat er mich doch betrogen:
"Jetzt ist der Spass zu Ende!"

Ojeoje!
Verdammte Linde
dort am Weg.
Community content is available under Copyright unless otherwise noted.