FANDOM

2,054,105 Pages

StarIconBronze
CertIcon
LangIcon
Ballade von den Seeräubern

This song is by Ernst Busch and appears on the album Legenden, Lieder und Balladen 1914-1934 (1965).

Watch video at YouTube
Ballade von den Seeräubern

Von Branntwein toll und Finsternissen
Von unerhörten Güssen nass
Vom Frost eiskalter Nacht zerrissen
Im Mastkorb, von Gesichten blass
Von Sonne nackt gebrannt und krank -
Die hatten sie im Winter lieb -
Aus Hunger, Fieber und Gestank
Sang alles, was noch übrig blieb:

"Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh
Lasst Wind und Himmel fahren, nur
Lasst uns um Sankt Marie die See!"

Kein Weizenfeld mit milden Winden
Selbst keine Schänke mit Musik
Kein Tanz mit Weibern und Absinthen
Kein Kartenspiel hielt sie zurück
Sie hatten vor dem Knall das Zanken
Vor Mitternacht die Weiber satt
Sie lieben nur verfaulte Planken
Ihr Schiff, das keine Heimat hat

Oh Himmel, strahlender Azur!

Mit seinen Ratten, seinen Löchern
Mit seiner Pest, mit Haut und Haar
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern
Und liebten es, so wie es war
Sie knoten sich mit ihren Haaren
Im Sturm in seinem Mastwerk fest
Sie würden nur zum Himmel fahren
Wenn man dort Schiffe fahren lässt

Oh Himmel, strahlender Azur!

Sie morden kalt und ohne Hassen
Was ihnen in die Zähne springt
Sie würgen Gurgeln so gelassen
Wie man ein Tau ins Mastwerk schlingt
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen
Nachts torkeln trunken sie in See
Und die, die übrig bleiben, lachen
Und winken mit der kleinen Zeh

Oh Himmel, strahlender Azur!

Sie leben schön wie noble Tiere
Im weichen Wind, im trunk'nen Blau
Und oft besteigen sieben Stiere
Eine geraubte fremde Frau
Die hellen Sternennächte schaukeln
Sie mit Musik in süße Ruh
Und mit geblähten Segeln gaukeln
Sie unbekannten Meeren zu

Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh
Lasst Wind und Himmel fahren, nur
Lasst uns um Sankt Marie die See!

Doch eines Abends im Aprile
Der keine Sterne für sie hat
Hat sie das Meer, in aller Stille
Auf einmal plötzlich selber satt
Der große Himmel, den sie lieben
Hüllt still in Rauch die Sternensicht
Und die geliebten Winde schieben
Die Wolken in das milde Licht

Oh Himmel, strahlender Azur!

Sie fühlen noch, wie voll Erbarmen
Das Meer mit ihnen heute wacht
Dann nimmt der Wind sie in die Arme
Und tötet sie vor Mitternacht
Und ganz zuletzt in höchsten Masten
War es, weil Sturm so gar laut schrie
Als ob sie, die zur Hölle rasten
Noch einmal sangen, laut wie nie:

"Oh Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind die Segel bläh
Lasst Wind und Himmel fahren, nur
Lasst uns um Sankt Marie die See!"

Credits

Music by:

Émile Wesly Wikipedia16, tune: L'Étendard de la Pitié

Lyrics by:

External links

Community content is available under Copyright unless otherwise noted.